Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (ASG) in der Lebensmittelindustrie sind aufgrund der hohen physischen Risiken eine zentrale Verpflichtung für Unternehmen. Arbeitgeber sind verpflichtet, die Gesundheit und Sicherheit ihrer Beschäftigten durch geeignete Maßnahmen, Schulungen, Kontrollen und systematische Gefährdungsbeurteilungen zu gewährleisten.
Typische Risiken wie Ausrutschen, Schnittverletzungen, Verbrennungen und Unfälle mit Maschinen müssen durch geeignete Ausrüstung, Schulungsprogramme, regelmäßige Inspektionen und wirksame Sicherheitsmaßnahmen verhindert werden.
Ein effektives Arbeitsschutzmanagementsystem schützt nicht nur die Mitarbeiter, sondern stärkt auch die rechtliche Compliance und die betriebliche Kontinuität.
Dieser Leitfaden behandelt Arbeitssicherheit in der Lebensmittelbranche anhand wichtiger Themen wie häufige Arbeitsunfälle, Gefährdungsklassen, gesetzliche Verpflichtungen, praktische Maßnahmen für Restaurants und Produktionsanlagen sowie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Aufbau eines effektiven Arbeitsschutzsystems.
Was die Lebensmittelindustrie von vielen anderen Dienstleistungsbereichen unterscheidet, ist die hohe Dichte physischer Gefahren.
Während in einem Büro ergonomische Probleme durch ungeeignete Arbeitsplätze häufig die größten Risiken darstellen, treffen in einer professionellen Küche mehrere Gefahren gleichzeitig aufeinander: heißes Öl, scharfe Werkzeuge, elektrische Geräte und rutschige Böden.
Arbeitsunfälle stellen weiterhin eine erhebliche Herausforderung für die Lebensmittelbranche dar.
Im Jahr 2024 verloren in der Türkei 113 Beschäftigte aus dem Lebensmittelbereich durch Arbeitsunfälle ihr Leben. Die Branche gehörte damit zu den Bereichen mit besonders hoher Unfallhäufigkeit, zusammen mit Textilindustrie, Metallverarbeitung und Bauwesen.
Darüber hinaus weisen branchenspezifische Leitfäden darauf hin, dass Kühl- und Gefrierprozesse in der Lebensmittelproduktion zu einer Belastung durch kalte Oberflächen führen können, während Wärmebehandlungsprozesse erhebliche Verbrennungsrisiken verursachen.
Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) hat zudem zahlreiche kostenlose digitale Werkzeuge zur Gefährdungsbeurteilung (OiRA) speziell für den Gastronomie- und Lebensmittelbereich entwickelt.
Der erste Schritt zur Vermeidung von Arbeitsunfällen besteht darin, Risiken korrekt zu identifizieren und zu klassifizieren.
Zu den häufigsten Risikogruppen in Restaurants und Lebensmittelproduktionsanlagen gehören:
Küchen- und Produktionsbereiche weisen häufig nasse, ölige oder durch Lebensmittelreste wie Mehl und Zucker verunreinigte Böden auf. Dadurch gehören Rutsch- und Sturzunfälle zu den häufigsten Unfallarten in der Branche.
Messer, Gemüseschneider und Fleischverarbeitungsmaschinen gehören zu den häufig verwendeten Geräten, die bei unsachgemäßer Nutzung schwere Verletzungen verursachen können.
Heißes Öl, kochendes Wasser, Dampf und erhitzte Ofenflächen zählen zu den wichtigsten Gefahrenquellen in Restaurantküchen.
Langes Stehen, schweres Heben und wiederholte Bewegungsabläufe können langfristig zu Muskel-Skelett-Erkrankungen und erheblichen Ausfallzeiten führen.
Reinigungs- und Desinfektionsmittel können insbesondere in schlecht belüfteten Bereichen Atemwegsreizungen und gesundheitliche Beschwerden verursachen.
Beschäftigte in Tiefkühlbereichen sind Risiken wie Erfrierungen, Unterkühlung und dem Einschließen in geschlossenen Kühlräumen ausgesetzt.
Fleischverarbeitungslinien, Schneidemaschinen und Verpackungsanlagen können schwere Verletzungen verursachen, insbesondere wenn Schutzvorrichtungen entfernt oder Sicherheitsmechanismen deaktiviert werden.
Fritteusen, Kochgeräte, angesammelter Mehlstaub und LPG-Systeme erhöhen das Brandrisiko. Unter bestimmten Bedingungen kann Staubansammlung auch Explosionsgefahren verursachen.
Elektrische Geräte in feuchten Arbeitsbereichen sowie fehlerhafte Erdungssysteme können elektrische Unfälle verursachen.
In der Türkei werden Arbeitsplätze gemäß den Arbeitsschutzvorschriften in drei Gefährdungskategorien eingeteilt:
Die Einstufung erfolgt anhand des NACE-Tätigkeitscodes, der im Register der Sozialversicherungsanstalt (SGK) des Unternehmens hinterlegt ist, und wird anhand der offiziellen Liste der Arbeitsplatz-Gefährdungsklassen überprüft.
In der Lebensmittelindustrie hängt die Gefährdungsklasse von der Haupttätigkeit des Unternehmens ab:
Weniger gefährliche Tätigkeiten:
Gefährliche Tätigkeiten:
Hoch gefährliche Tätigkeiten:
Diese Einstufung bestimmt direkt:
Das türkische Arbeitsschutzgesetz Nr. 6331, das am 30. Juni 2012 im Amtsblatt veröffentlicht wurde, verpflichtet alle Arbeitgeber unabhängig von Unternehmensgröße und Gefährdungsklasse dazu, die Gesundheit und Sicherheit ihrer Beschäftigten zu schützen.
Zu den grundlegenden Pflichten gehören:
Lebensmittelunternehmen der Kategorien „gefährlich“ und „hoch gefährlich“ müssen kontinuierliche Arbeitsschutzleistungen in Anspruch nehmen, auch wenn nur ein einziger Mitarbeiter beschäftigt wird.
Für kleinere Unternehmen der Kategorie „weniger gefährlich“ sollte der aktuelle Status möglicher Ausnahmen oder Verschiebungen anhand der offiziellen Mitteilungen des Ministeriums für Arbeit und soziale Sicherheit geprüft werden.
Gemäß Artikel 12 der Verordnung über Gefährdungsbeurteilungen müssen Lebensmittelunternehmen ihre Gefährdungsbeurteilungen entsprechend ihrer Gefährdungsklasse regelmäßig aktualisieren.
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Gefährdungsklasse |
Erneuerungszeitraum |
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Hoch gefährlich |
Spätestens alle 2 Jahre |
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Gefährlich |
Spätestens alle 4 Jahre |
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Weniger gefährlich |
Spätestens alle 6 Jahre |
Artikel 17 des Gesetzes Nr. 6331 schreibt vor, dass Beschäftigte in gefährlichen und hoch gefährlichen Arbeitsstätten ihre erforderlichen Arbeitsschutzschulungen abgeschlossen haben müssen, bevor sie ihre Tätigkeit aufnehmen.
Artikel 14 verpflichtet Arbeitgeber außerdem dazu, alle Arbeitsunfälle zu dokumentieren und innerhalb von drei Werktagen an die SGK zu melden.
Die Höhe der Verwaltungsstrafen wird jährlich aktualisiert und sollte anhand der entsprechenden offiziellen Veröffentlichungen überprüft werden.
Aus Sicht des Arbeitsschutzes werden die meisten Restaurantaktivitäten als weniger gefährlich eingestuft. Trotzdem bestehen in professionellen Küchen erhebliche physische Risiken unabhängig von der offiziellen Einstufung.
Bodenmanagement:
Standardisierung persönlicher Schutzausrüstung (PSA):
Wartung von Dunstabzugshauben und Fettfiltern:
Notfallübungen:
Schichtbezogene Kontrolllisten:
Bei einer Restaurantkette mit mehreren Standorten wurde festgestellt, dass neue Mitarbeiter bereits in der ersten Arbeitswoche eigenständig Fritteusen bedienten, ohne eine entsprechende Schulung erhalten zu haben.
Nach Einführung der Regel „fünf Tage betreute Einarbeitung“ konnte die Anzahl der Verbrennungsunfälle deutlich reduziert werden
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